27.11.2019 Protest gegen das Militärgelöbnis in der Sankt-Jürgen-Kiche in 25746 Heide (Holstein)

„Militärische Schauspiele sind eine Reklame für den nächsten Krieg“ (Kurt Tucholsky)

Daher protestieren wir gegen die Militarisierung des öffentlichen Raums:

Mittwoch, 27.11.2019, 14:00 – 18:30 Uhr gegenüber „Marktpirat“

Wir fordern: Sicherheit durch Abrüstung! UN-Atomwaffensperrvertrag unterzeichnen! Frieden durch Gewaltverzicht! Militäreinsätze beenden! Bundeswehr raus aus Bildungseinrichtungen! Schluss mit öffentlichen Gelöbnissen! Militärseelsorge abschaffen!

V.i.S.d.P.: Hans-Joachim Flicek (attac), Georg Gerchen (DFG-VK), Thomas Palm (DIE LINKE Dithmarschen)

MILITARISTISCHES SPEKTAKEL IN HEIDE, AM 27. NOVEMBER 2019, ab 16:30 Uhr

„Feierliches Gelöbnis im Fackelschein“ Stadt und Bundeswehr zelebrieren einen „militärischen Appell“ auf dem Heider Marktplatz … und die Kirche gibt ihren Segen:

14:45 bis 15:45 Uhr „Gelöbnis-Gottesdienst in der Sankt Jürgen Kirche“

WIR FORDERN: KIRCHE UND MILITÄR – DIE ZUSAMMENARBEIT BEENDEN!

Keinen Segen für das Militär!

Der Gottesdienst wird gehalten von einem Militärgeistlichen, dessen Stelle der jeweiligen Kirchengemeinde zugeordnet ist (der aber in einer Kaserne sein Büro hat). Damit ist er einer von ca. 200 evangelischen oder katholischen Militärpfarrern in Deutschland. Diese erfüllen im Rahmen der „Militärseelsorge“ im Führungsstab der Streitkräfte (FüSK III 3) eine höchst umstrittene Funktion: • Zwar sind Militärpfarrer der militärischen Hierarchie enthoben und bleiben offiziell ihrem kirchlichen Bekenntnis verpflichtet.

• Aber sie sind vom kirchlichen Arbeitgeber freigestellt und werden als Bundesbeamte auf Zeit vom Staat bezahlt, legen einen Beamteneid ab, fahren ein Dienstfahrzeug der Bundeswehr, unterliegen der militärischen Geheimhaltungspflicht, im Ausland begleiten sie – grundsätzlich in Bundeswehr-Uniform – die SoldatInnen in Kampfeinsätze, erreichbar sind sie unter ...“bundeswehr.org“. • In der Praxis wird beobachtet, dass die meisten Militärpfarrer eine Neigung zu militärischen Strukturen und Auftreten (Grußformen etc.) haben. Sie werden dienstgradmäßig als Oberstleutnants wahrgenommen.

Das bedeutet: • Die Militärseelsorge ist - wie die 14 Bundeswehrmusikkorps und die Bundeswehr-Bigband - ein Rad in der Militärmaschinerie.

• Mit diesem Gelöbnisgottesdienst untermauern der Militärgeistliche und die Kirchengemeinde den Anspruch der Bundeswehr, wonach SoldatInnen einen besonderen, herausgehobenen „Dienst für´s Vaterland“ leisteten, insbesondere bei den Kriegseinsätzen im Ausland. (Oder gibt es solche Gottesdienste etwa für angehende Lehrkräfte oder RichterInnen?)

• Damit unterstützen sie die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft.

Militärseelsorge abschaffen!

In Heide herrscht Ausnahmezustand. Wieder einmal wird der Marktplatz zum Exerzierplatz. Die Bundeswehr übernimmt das Kommando für ein öffentliches Gelöbnis. Öffentliche Gelöbnisse stiften Unfrieden, sie sind Kampfansagen:

• Kampfansagen an die Zivilgesellschaft, die ihre Aufgaben ohne martialisches Ritual erfüllt;

• Kampfansagen an zivile Strategien der Konfliktlösung, die den militärisch-industriellen Komplex in Frage stellen;

• Kampfansagen an den gesunden Menschenverstand, der um die Logik von Aufrüstung und Kriegsbereitschaft weiß;

• Kampfansagen an die Friedfertigkeit als Grundbedürfnis, das den Menschen durch waffenstarrende Aufmärsche ausgetrieben werden soll.

Hintergrund:

Gelöbnisse sind 1956 – Im Zuge der Remilitarisierung – wieder eingeführt worden, um den Menschen den damals verbreiteten Nachkriegspazifismus auszutreiben. Denn mit der Wiederbewaffnung brauchte man wieder Soldaten. Also musste man einer kriegsmüden Bevölkerung den Staatsbürger in Uniform als neues soldatisches Ideal verkaufen. Das ist von Anfang an Augenwischerei gewesen. Ebenso Augenwischerei wie das Märchen von der Bundeswehr als Defensivarmee, die nur im Verteidigungsfall eingesetzt werden  dürfe.