2013-07, Bernhard Willner

Thesen zur Frage: Kann ein Christ Soldat sein?

  1. Die Ankündigung der Gottesherrschaft durch Jesus ist die Ankündigung eines menschenfreundlichen Gottes für alle Menschen. Jesu Bemühen um Menschlichkeit schließt gewalttätige Methoden absolut aus. Dies wird zugleich eindeutige Forderung für alle, die 'ihm nachfolgen' wollen, also für alle Christen.
     
  2. Es ist nicht jesusgemäß, gleichzeitig auf Gott zu vertrauen und gewalttätige Sicherheitssysteme aufzubauen, gleichzeitig leichten Herzens zu sein und sich zu panzern und zu rüsten, gleichzeitig den Menschen einschließlich den Feind zu lieben und zu töten oder das Töten vorzubereiten, gleichzeitig nach der neuen Orientierung Jesu gehen zu wollen und in der Tradition der Väter zu verharren.
     
  3. Das Kriterium des Christseins ist nicht die Ansicht über Jesus, also die Konfession, sondern das Handeln nach seinem Wort und Willen. Dies ist Helfen und Heilen.
     
  4. Christlich ist demnach nicht der Waffendienst, sondern dessen Verweigerung, nicht Gewaltandrohung, sondern (schlimmsten Falls, als ultima ratio*) das Hinnehmen von Leiden,
     
  5. nicht die Vorbereitung des Tötens mir unbekannter Menschen durch das Konstruieren und Herstellen von Waffen und anderen militärischen Mitteln und Objekten, sondern die eindeutige Ablehnung solcher Maßnahmen, auch unter Gefahr sozialer Nachteile.
     
  6. Diese Schlussfolgerung haben die Christen in den ersten drei Jahrhunderten bis zum Jahre 313 auch so verstanden und sich danach orientiert. "Ein Christ kann kein Soldat sein" war einhellige Lehrmeinung und Glaubensinhalt. Kriegsdienst und Christsein standen für die frühe Kirche in schroffem Gegensatz.
     
  7. Es war und ist zu jeder Zeit unchristlich, im Namen Jesu kriegerische Handlungen durchzuführen, zu unterstützen oder zu billigen, wie es seit Konstantin über die Kreuzzüge, die Eroberung Amerikas, den Dreißigjährigen Krieg bis zum Zweiten Weltkrieg geschehen ist und auch heute geschieht.
     
  8. Niemand kann als christlich bezeichnen, was der Botschaft Jesu nicht entspricht. Eine Meinung als christlich darzustellen, obwohl sie nicht auf Jesus zurückgeht, ist wissenschaftlich unsachlich, moralisch unwahrhaftig, religiös ein Frevel und soziologisch und politisch Demagogie.
     
  9. Die Ablehnung militärischer Gewalt bedeutet nicht Wehrlosigkeit. Es gibt gewaltfreie Strategien zur Verteidigung von Menschenrechten. Diese erfordern zwar auch erhebliche Anstrengungen, sind aber letztlich weitaus wirksamer.
     
  10. Keine Gruppe (oder Partei oder "Kirche") handelt christlich, wenn sie militärische Strategien als eine mögliche Verteidigungsform für menschliche Werte in irgendeiner Form unterstützt oder gar anstrebt. Eine Gruppe (oder Partei oder Kirche), die sich christlich verstehen will, tritt aktiv für die Entwicklung ziviler gewaltfreier Strategien zur Verteidigung des Lebens ein.
     
  11. "Militärseelsorge" ist ein Widerspruch in sich, denn sie sanktioniert durch ihre bloße Existenz die Vorbereitung und Durchführung militärischer Gewalt. Dagegen führt Seelsorge an Soldaten jesusgemäß zur Verweigerung militärischer Gewalt, auch zur Verweigerung ihrer Vorbereitung und zur Auflösung des Militärs.
     
  12. Wer sich zur Nachfolge Jesu bekennt, verwirft die 1.700-jährige kirchliche Tradition des sogenannten „gerechten Krieges“ der „Konstantinischen Ära“ und besinnt sich auf die kriegsdienstverweigernde Tradition der frühen Kirche sowie auf die Botschaft Jesu selbst. Das wird für unsere Gesellschaft und für die gesamte Zivilisation überlebenswichtig sein.

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Anmerkung der Redaktion: Willner gebraucht diesen Begriff hier absichtlich in einem unüblchen Zusammenhang.

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