Typisch: Der evangelischer Militärpfarrer Ulrich Kronenberg setzt sich mit ganzer Kraft für das Militär ein. Muss wirklich erst der dritte Weltkrieg kommen, bis die Kirche sich vom Militär abwendet? Wir meinen: Gewalt, Krieg und Militär sind nie die Lösung – sondern sie sind Teil des Problems! Hier ein Artikel aus dem „evangelischen Kirchenboten, Sonntagsblatt für die Pfalz“ vom Sonntag, 22.06.2014.

Im äußersten Notfall mit Waffengewalt gegen das Böse

Speyerer Militärpfarrer Ulrich Kronenberg kritisiert pazifistische Friedensethik der evangelischen Kirche – Gegen seichtes Gutmenschentum

Der Gebrauch von militärischer Gewalt kann nach Ansicht des Speyerer evangelischen Militärpfarrers Ulrich Kronenberg in bestimmten Konfliktsituationen gerechtfertigt sein. Die Vorstellung, dass sich der Mensch der Schlichtung gewaltsamer Konflikte durch einen unbewaffneten Pazifismus entziehen könne, sei eine vor "Selbstgerechtigkeit triefende Hybris", sagte Kronenberg in einen Gespräch mit dem "Kirchenboten". Die menschliche Natur sei nach biblischer Vorstellung böse und müsse nötigenfalls auch mit Waffengewalt im Zaum gehalten werden.

Der 49-jährige Reserveoffizier widersprach damit der Reformationsbotschafterin Margot Käßmann. Diese hatte in einem Zeitungsinterview die vermehrten Rüstungsexporte Deutschlands kritisiert und die Vorstellung eines "gerechten Kriegs" in Notlagen zurückgewiesen. Auch gegen Hitlerdeutschland sei ein Krieg nicht gerechtfertigt gewesen, sagte die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland einige Tage nachdem sich die Landung der Alliierten in der Normandie zum 70. Mal jährte. Es. könne nur einen "gerechten Frieden" geben.

Die „tief anthropologische Frage" nach der Natur des Menschen könne "nicht mit einem seichten Gutmenschenturn" beantwortet werden, sagte Kronenberg. der für die pfälzischen Bundeswehrstandorte in Speyer, Germersheim, Bad Bergzabern, Ludwigshafen und Neustadt zuständig ist Oberflächliche Antworten auf die Frage, ob das Töten erlaubt sei, reichten nicht aus. Der Gebrauch von militärischer Gewalt müsse zur Nothilfe und zur Landesverteidigung möglich sein. Ein Krieg sei aber niemals gerecht. Der Mensch werde in jedem Fall sündig: ob er bei einem Völkermord Menschen töte, um andere ,zu retten oder ob er die Hilfe unterlasse. Kronenberg kritisierte, dass sich die evangelische Kirche mit einer "gouvernantenhaften Weltverbesserungspolitik" in politisches Handeln einmische. Gemäß der lutherischen Zwei-Reiche-Lehre solle sie sich auf die Verkündigung' der biblischen Botschaft konzentrieren. Seit Jahrzehnten folge die Kirche einem realitätsfernen und ideologischen Pazifismus.

Auch heute sei eine Katastrophe wie 1914 möglich, als ein fortschrittsgläubiges Europa in den Ersten Weltkrieg marschierte. Kriege und Konflikte könnten nur durch eine erneute Hinwendung zur Bibel vermieden werden. Zugleich mahnte Kronenberg eine Zurückhaltung beim militärischen Engagement der Bundeswehr an. Die deutsche Armee dürfe nicht vermehrt bei weltweiten Konflikten eingesetzt werden, wie es manche Politiker forderten. Ob Soldaten zu gefährlichen Auslandseinsätzen abkommandiert werden, müsse sehr sorgfältig erwogen werden, sagte Kronenberg. der Vater von vier Söhnen ist. Soldaten hätten ein Recht darauf zu wissen, wofür sie im äußersten Fall auch sterben müssten.

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