Evangeliumsrundfunk, der Sender für evangelische Militärpropaganda

Militärseelsorger Martin Hüfken unterstützt das Militär

Quelle: 18.08.2014 ERF-pop aktuell. Hier die Abschrift des Radio-Beitrages.

ERF: Afghanistan, Somalia, West-Sahara, drei von 16 Einsatzgebieten der Bundeswehr im Ausland. Die deutschen Soldaten haben dabei ganz verschiedene Aufgaben: Sie sichern den Frieden im Kosovo, vernichten in Syrien chemische Waffen oder trainieren in Mali einheimische Soldaten. Aber was beschäftigt Soldaten eigentlich persönlich während ihres Einsatzes? Einer, der es wissen muss, ist Martin Hüfken; er ist Militärseelsorger. Während seiner Zeit in Afghanistan hat er sich um Soldaten gekümmert und sie begleitet. Er ist sogar manchmal mit auf Einsätze rausgefahren, um besser verstehen zu können, welche Probleme Soldaten beschäftigt.

Hüfken [telefonisch, schnoddrig]: Wenn man acht Stunden mal in so einem gepanzerten Fahrzeug durch die Hitze gefahren ist, dann weiß man einfach, wie´s diesen Soldaten grottenschlecht geht hinterher, und wie die einfach müde und abgefahren sind. Und man kann auch nochmal für seinen eigenen Background es nochmal verstehen, wie sie für andere den Rücken hinhalten, um Frieden zu stabilisieren. Mich hat das sehr beeindruckt. Mir hat das auch sehr viel Respekt abgezollt, was da Soldatinnen und Soldaten leisten, wovon ich gar keine Ahnung hatte.

ERF: Aber Hitze ist nicht die einzige Herausforderung, mit denen Soldatinnen und Soldaten im Einsatz konfrontiert sind.

Hüfken: Die Trennung von zu Hause ist auf jeden Fall für viele ein Thema. Wenn es auch nicht gerne zugegeben wird. Aber Heimweh spielt eine Rolle. Und man darf nicht vergessen, die sind also ein halbes Jahr im zweieinhalb mal fünf Quadratmeter Unterkünften, meistens zu zweit, manchmal sogar zu dritt. Das ist eine große Engigkeit. Es ist ein großes Problem: die Ungewissheit was kommt, so ´ne allgemeine Gefährdungslage, auch wenn jetzt keine direkte Bedrohung ist, aber das Gefühl, es könnte doch immer ´was passieren.

ERF:  Durch dieses Wissen sind Soldaten ständig angespannt und brauchen manchmal einfach eine Pause. Die bietet ihnen Martin Hüfken. Er hat immer ein offenes Ohr und Zeit für die Soldaten. Gerade durch die aktuellen Krisen im Irak, in Syrien oder auch der Ukraine gibt es immer wieder Diskussionen über  Auslandseinsätze der Bundeswehr. Überraschenderweise aber nicht unbedingt unter den Soldaten.

Hüfken: Soldaten sind so aufgestellt, dass sie sagen `Wir haben einen Auftrag, den erfüllen wir, und außer bei einigen wenigen denke ich, gibt´s da keinen großen Diskussionen auf politischer Ebene. Das ist glaub´ ich auch eine Überforderung. Ich denke diese sehr berechtigte Frage nach Sinn oder Unsinn eines Einsatzes darf nicht in Soldatenebene geführt werden, sondern muss auf politischer Ebene geführt werden. Und da hab ich manchmal so ein bisschen das Problem, dass man sagt `Ja ihr Soldaten ihr macht da was so ungefähr wie blinder Gehorsam, vertraut man darauf, dass in einem demokratisch gewählten Parlament wie dem Bundetag verantwortliche Entscheidungen getroffen werden. Und denen folgen sie. Und dazu haben sie sich auch eidlich verpflichtet.

ERF: Nach vier bis fünf Monaten ist der Auslandseinsatz für den einzelnen Soldaten beendet. Er kommt wieder in die Heimat. Allerdings fällt die Umgewöhung in den eigentlich vertrauten Alltag nicht immer leicht.

Hüfken: Was die beschäftigt ist vor allem eben: Wie komm´ ich wieder in den Alltag rein? Ich hab das also selber so erlebt, dass man sagt also ob die Zeit stehen geblieben ist. Hier in Deutschland ist sie weiter gegangen, aber dort in Afghanistan hat man das Gefühl, die Zeit ist für mich stehen geblieben. Ein zweites ist glaub ich, wenn es traumatische Erfahrungen gegeben hat, dass man jemanden hat, mit dem man darüber reden kann: Angehörige, die dann nicht nur sagen `Na, wie war´sn?´ und nach drei Sätzen geh´n sie zum nächsten Thema über, oder so, sondern dass der Soldat jemanden hat, der ihm zuhört, der nachfragt, den das interessiert. Das ist eins der großen Probleme, dass er niemanden hat zum Erzählen. Oft gelingt´s natürlich auch. Da sind die Frauen und Familien oft ganz liebevoll und verständnisvoll. Ein nicht geringes Problem ist, wenn Soldaten in ihren Arbeitsplatz zurückkommen, und die sagen `Du warst im Auslandseinsatz; wir mussten inzwischen deine Arbeit hier mitmachen. Das ist auch nicht so ganz ganz einfach.

ERF:  Vor einigen Tagen veröffentlichte die Bundeswehr ihre erste Veteranenstudie. Dabei gaben 68 Prozent der befragten Soldaten an, ihr Einsatz habe sie selbsbewusster gemacht. Martin Hüfken weiß: Für manche Soldaten verändert der Einsatz ihre gesammte Lebenseinstellung.

Hüfken: Selten aber dann besonders eindrucksvoll höre ich von Soldaten, dass sie sagen, meine Einstellung hat sich geändert zum Leben, die Grenzerfahrungen, die sie gemacht haben, sagen ihnen: `Was ich bisher gemacht habe, war eigentlich nurSpielerei. Das wirkliche Leben ist viel ernster. Und die nochmal ganz anders mit sich selbst und mit ihren Fragen umgehen.´

ERF: Eine wichtige Unterstützung für Soldaten im Einsatz und in der Heimat - die Militärseelsorger. Vielen Dank an Martin Hüfken für das Gespräch. Meine Kollegin Elena Wünsch hat mit ihm gesprochen.
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